nach wikipedia
Als Schwarzer Tod wird die große europäische Pandemie
von 1347 bis 1353 bezeichnet, die geschätzte 25 Millionen Todesopfer –
ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung – forderte. Der
Auslöser war eine Variante des Pesterregers Yersinia pestis.
Diese bereits zuvor von dem überwiegendem Teil der
Wissenschaftsgemeinde vertretene Theorie wurde aufgrund von historischen
und medizinischen Erkenntnissen angezweifelt. Dass dennoch häufig das
Wort Pest synonym für den Schwarzen Tod benutzt wird, leitet sich vom lateinischen Wort pestis für Seuche ab, nicht vom Krankheitserreger.
Die Pandemie brach nach heutigem Wissensstand zuerst in Asien aus und gelangte über die Handelsrouten nach Europa. In Messina
nahm der durch Seeleute eingeschleppte Seuchenzug seinen Anfang. Manche
Landstriche wurden weitgehend entvölkert, während andere Regionen von
der Seuche verschont oder nur gering betroffen waren. In Florenz
überlebte nur ein Fünftel der Bürger die Krankheit. Für das Gebiet des
heutigen Deutschlands wird geschätzt, dass jeder zehnte Einwohner in
Folge des Schwarzen Todes sein Leben verlor. Hamburg, Köln und Bremen
zählten dabei zu den Städten, in denen ein sehr hoher
Bevölkerungsanteil starb. Sehr viel geringer war dagegen die Anzahl der
Todesopfer in Ostdeutschland.
Die sozialen Auswirkungen des Schwarzen Todes reichten sehr weit: Juden gerieten sehr schnell in den Verdacht, durch Giftmischerei und Brunnenvergiftung die Epidemie ausgelöst zu haben. Dies führte in vielen Teilen Europas zu Judenpogromen und einem lokalen Aussterben der jüdischen Gemeinden. Selbst da, wo geistliche oder weltliche Herrscher dies zu verhindern versuchten, war ihr Autoritätsverlust durch die sozialen Verwerfungen in der Folge der Epidemie so hoch, dass es ihnen in der Regel nicht gelang.
Seit der Entdeckung des Bakteriums Yersinia pestis gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist herrschende Meinung, dass es als Erreger für die als Schwarzer Tod bekannte Pandemie verantwortlich sei. Dafür sprechen die Eigenschaften von Yersinia pestis, zu denen ein extrem hohes Ansteckungspotential gehört, die mit der Infektion verbundenen Symptome sowie der Nachweis von Yersinia-DNA in Zahnmark bzw. Skelett von Menschen des 8. und des 14. Jahrhunderts.
2010 berichtete eine internationale Forschergruppe, dass sie aus mittelalterlichen Gräbern in Europa und Asien mehrere verschiedene genetische Varianten von Yersinia pestis isolieren konnte. Die Forscher zogen den Schluss, dass verschiedene Genvarianten des Bakteriums für den Schwarzen Tod verantwortlich waren. Die Ausbreitung sei von China über das Rote Meer nach Europa erfolgt.
Im Oktober 2011 publizierte eine internationale Forschergruppe aus
den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland in der Zeitschrift Nature,
dass es nunmehr gelungen sei, das Erbgut des Pesterregers vollständig
zu entziffern, der als Schwarzer Tod um das Jahr 1350 in Europa wütete.
Das aus Skeletten auf einem Londoner Friedhof isolierte Bakterium Yersinia pestis sei zweifelsfrei als Erreger der Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert ausgemacht.
Die Forscher widersprachen damit anderen Experten, die bisher annahmen,
auch andere Krankheitserreger könnten für den Schwarzen Tod
verantwortlich gewesen sein. Das nächstverwandte derzeit existierende
Pestbakterium unterscheidet sich nach Angaben der Wissenschaftler in
seinem Aufbau nur an zwölf Stellen von jenem aus dem 14. Jahrhundert und
ist somit dem der heute vorkommenden Bakterien sehr ähnlich.
Die sozialen Auswirkungen des Schwarzen Todes reichten sehr weit: Juden gerieten sehr schnell in den Verdacht, durch Giftmischerei und Brunnenvergiftung die Epidemie ausgelöst zu haben. Dies führte in vielen Teilen Europas zu Judenpogromen und einem lokalen Aussterben der jüdischen Gemeinden. Selbst da, wo geistliche oder weltliche Herrscher dies zu verhindern versuchten, war ihr Autoritätsverlust durch die sozialen Verwerfungen in der Folge der Epidemie so hoch, dass es ihnen in der Regel nicht gelang.
Seit der Entdeckung des Bakteriums Yersinia pestis gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist herrschende Meinung, dass es als Erreger für die als Schwarzer Tod bekannte Pandemie verantwortlich sei. Dafür sprechen die Eigenschaften von Yersinia pestis, zu denen ein extrem hohes Ansteckungspotential gehört, die mit der Infektion verbundenen Symptome sowie der Nachweis von Yersinia-DNA in Zahnmark bzw. Skelett von Menschen des 8. und des 14. Jahrhunderts.
2010 berichtete eine internationale Forschergruppe, dass sie aus mittelalterlichen Gräbern in Europa und Asien mehrere verschiedene genetische Varianten von Yersinia pestis isolieren konnte. Die Forscher zogen den Schluss, dass verschiedene Genvarianten des Bakteriums für den Schwarzen Tod verantwortlich waren. Die Ausbreitung sei von China über das Rote Meer nach Europa erfolgt.
Im Oktober 2011 publizierte eine internationale Forschergruppe aus
den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland in der Zeitschrift Nature,
dass es nunmehr gelungen sei, das Erbgut des Pesterregers vollständig
zu entziffern, der als Schwarzer Tod um das Jahr 1350 in Europa wütete.
Das aus Skeletten auf einem Londoner Friedhof isolierte Bakterium Yersinia pestis sei zweifelsfrei als Erreger der Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert ausgemacht.
Die Forscher widersprachen damit anderen Experten, die bisher annahmen,
auch andere Krankheitserreger könnten für den Schwarzen Tod
verantwortlich gewesen sein. Das nächstverwandte derzeit existierende
Pestbakterium unterscheidet sich nach Angaben der Wissenschaftler in
seinem Aufbau nur an zwölf Stellen von jenem aus dem 14. Jahrhundert und
ist somit dem der heute vorkommenden Bakterien sehr ähnlich. Begriff „Schwarzer Tod“
Die Bezeichnung „Schwarzer Tod“ wurde im Mittelalter für diese Pandemie nicht verwendet – zeitgenössische Chronisten sprachen vom „großen Sterben“ oder der „großen Pestilenz“. Dänische und schwedische Chronisten des 16. Jahrhunderts verwendeten die Bezeichnung „schwarz“ erstmals als Bezeichnung für den Ausbruch der Pandemie 1347, um das Furchtbare und Schreckliche dieser Seuche zu betonen. Schwarz wurde hier nicht im Sinne einer Farbe verwendet, sondern als Ausdruck eines besonders schrecklichen oder niederdrückenden, düsteren Erlebnisses.
Der deutsche Arzt Justus Friedrich Karl Hecker griff 1832 diese Bezeichnung wieder auf. Unter dem Eindruck der gerade grassierenden Choleraepidemie fand seine Publikation Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhundert über die Pandemie 1347–1353 große Beachtung. Sie wurde 1833 ins Englische übersetzt und in den Folgejahren mehrfach neu gedruckt. Die Begriffe „Black Death“ bzw. „Schwarzer Tod“ bürgerten sich damit vor allem im englisch- und deutschsprachigen Raum als Bezeichnung für die Pandemie des 14. Jahrhunderts ein.
Europa vor dem Ausbruch der Seuche
Zahlreiche Faktoren führten dazu, dass sich die Bevölkerung im anfangs dünn besiedelten Europa von 900 bis 1300 vervierfachte. Dies ging mit der Urbarmachung von Land und dem Entstehen zahlreicher neuer Städte wie dem Wachstum der alten Städte einher. Die am weitesten entwickelten Gebiete Europas lagen im südlichen England, im nördlichen Frankreich in den Tälern der Seine und der Loire, umfassten das Gebiet um Paris sowie das deutsche Rheintal, die nördlichen Hansestädte, sowie Flandern und die Niederlande und das nördliche Italien von der Poebene bis nach Rom. Dieses Kerngebiet war deutlich stärker bevölkert als das übrige Europa, und in diesen Gebieten befanden sich auch die größten Städte. Die europäische Gesellschaft vor 1300 besaß gut ausgestattete Universitäten, errichtete beeindruckende gotische Kathedralen und erlebte eine künstlerische und literarische Blütezeit. Zwischen 1214 und 1296 behinderte vor allem in Westeuropa kein größerer Krieg die Weiterentwicklung der Gesellschaft.
Ausschnitt aus dem Holzschnitt „Totentanz“ (Hans Holbein der Jüngere).
Während Theologie und Philosophie an den Universitäten große Rollen spielten, wurde den Naturwissenschaften wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Die wenigen chemischen Kenntnisse, die man besaß, fanden nur in der Alchemie Verwendung; was man über Astronomie wusste, wurde für Astrologie und Wahrsagung genutzt. Insbesondere das medizinische
Wissen war sehr wenig entwickelt. Man verstand weder die Ursache von
Krankheiten, noch hatte man irgendeine Vorstellung geeigneter
Gegenmaßnahmen. Wie Norman Cantor feststellte, hatte die
mittelalterliche Gesellschaft überwiegend nichtmedizinische Antworten zu
den verheerenden Auswirkungen einer Pandemie – Gebet und Sühne, Quarantäne der Kranken, Flucht der Gesunden und die Suche nach Sündenböcken.
Krisenhafte Entwicklungen setzten schon vor dem Ausbruch des Schwarzen Todes ein. Ab 1290 kam es in weiten Teilen Europas zu lang anhaltenden Hungersnöten. Untersuchungen über die Entwicklung des Weizenpreises im englischen Norfolk lassen darauf schließen, dass es zwischen 1290 und 1348 neunzehn Jahre gab, in denen der Weizen knapp war. Für das französische Languedoc ergeben ähnliche Untersuchungen zwanzig Jahre mit Knappheiten an Nahrungsmitteln im Zeitraum von 1302 bis 1348. 1314 bis 1317 waren in ganz Nordeuropa Hungerjahre. In den Jahren 1346 und 1347 herrschte Hunger in Süd- und Nordeuropa. Bereits 1339 und 1340 traten in italienischen Städten Seuchen auf, was zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit führte. Die Quellen lassen darauf schließen, dass es sich bei diesen Seuchen überwiegend um Darminfektionen handelte.
Die offenbar erste und einzige große europäische Pestepidemie vor Ausbruch des Schwarzen Todes war die Justinianische Pest zur Zeit Kaisers Justinians (527–565), die als die größte antike Pestepidemie Europas gilt. Sie brach 541 zunächst im Orient aus und breitete sich sehr schnell im ganzen Mittelmeergebiet aus. Anhand der detaillierten Schilderungen des spätantiken Historikers Prokopios geht die Forschung zumeist davon aus, dass es sich bei dieser Seuche tatsächlich um die Beulenpest handelte, die möglicherweise zusammen mit anderen Krankheiten auftrat. Sie trat bis etwa 770 in etwa zwölfjährigem Rhythmus in Erscheinung und hatte nach Ansicht mancher Historiker weitreichende Folgen, da durch den Rückgang der Bevölkerungszahlen im Nahen Osten und Mittelmeerraum ein geopolitisches Machtvakuum entstanden sei, das erheblich zur Islamischen Expansion beigetragen habe. Diese Zusammenhänge sind allerdings sehr umstritten, zumal sich die tatsächlichen Folgen der Justinianischen Pest kaum abschätzen lassen.
Krisenhafte Entwicklungen setzten schon vor dem Ausbruch des Schwarzen Todes ein. Ab 1290 kam es in weiten Teilen Europas zu lang anhaltenden Hungersnöten. Untersuchungen über die Entwicklung des Weizenpreises im englischen Norfolk lassen darauf schließen, dass es zwischen 1290 und 1348 neunzehn Jahre gab, in denen der Weizen knapp war. Für das französische Languedoc ergeben ähnliche Untersuchungen zwanzig Jahre mit Knappheiten an Nahrungsmitteln im Zeitraum von 1302 bis 1348. 1314 bis 1317 waren in ganz Nordeuropa Hungerjahre. In den Jahren 1346 und 1347 herrschte Hunger in Süd- und Nordeuropa. Bereits 1339 und 1340 traten in italienischen Städten Seuchen auf, was zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit führte. Die Quellen lassen darauf schließen, dass es sich bei diesen Seuchen überwiegend um Darminfektionen handelte.
Ausbruch der Pandemie in Asien und Ausbreitung in Europa
Die offenbar erste und einzige große europäische Pestepidemie vor Ausbruch des Schwarzen Todes war die Justinianische Pest zur Zeit Kaisers Justinians (527–565), die als die größte antike Pestepidemie Europas gilt. Sie brach 541 zunächst im Orient aus und breitete sich sehr schnell im ganzen Mittelmeergebiet aus. Anhand der detaillierten Schilderungen des spätantiken Historikers Prokopios geht die Forschung zumeist davon aus, dass es sich bei dieser Seuche tatsächlich um die Beulenpest handelte, die möglicherweise zusammen mit anderen Krankheiten auftrat. Sie trat bis etwa 770 in etwa zwölfjährigem Rhythmus in Erscheinung und hatte nach Ansicht mancher Historiker weitreichende Folgen, da durch den Rückgang der Bevölkerungszahlen im Nahen Osten und Mittelmeerraum ein geopolitisches Machtvakuum entstanden sei, das erheblich zur Islamischen Expansion beigetragen habe. Diese Zusammenhänge sind allerdings sehr umstritten, zumal sich die tatsächlichen Folgen der Justinianischen Pest kaum abschätzen lassen.
Ab 632 stand Bab al-Mandab, die rund 27 Kilometer breite Meeresstraße und einzige natürliche Verbindung des Roten Meeres mit dem Indischen Ozean, unter muslimischer Kontrolle, was direkte Kontakte zwischen der christlichen Mittelmeerwelt und Asien erschwerte. Allerdings bleibt die Frage ungeklärt, wieso die Pest ausgerechnet um 770 – also 230 Jahre nach ihrem ersten Ausbruch und 140 Jahre nach dem Beginn der Islamischen Expansion – auf einmal für fast sechs Jahrhunderte aus Europa verschwunden zu sein scheint.
Besser als ihr Verschwinden lässt sich vermutlich ihr erneutes Erscheinen erklären: Nach einer Hypothese des Autors William Bernstein leitete der Mongolensturm gegen Ende des 13. Jahrhunderts eine Ära erneut intensivierter direkter Handelskontakte zwischen Europa und Asien ein, durch die die Pestbakterien, die vor allem in wild lebenden Nagetierpopulationen Asiens vorkommen, erneut nach Europa eingeschleppt werden konnten.
1338 oder 1339 erreichte die Pest die christliche Gemeinschaft der Assyrischen Kirche am Yssykköl-See im heutigen Kirgisistan. 1345 erkrankten die ersten Menschen in Sarai an der unteren Wolga und auf der Krim, im Jahre 1346 erkrankten erste Einwohner von Astrachan. Im selben Jahr erreichte die Krankheit die Grenzen des damaligen Europas: Die Goldene Horde belagerte die von den Genuesern gehaltene Hafenstadt Kaffa (das heutige Feodossija) auf der Halbinsel Krim – mit ihrem Gefolge kam auch die Krankheit vor die Stadtmauern. Berichtet wird, dass die Belagerer Seuchentote auf ihre Katapulte banden und sie in die Stadt schleuderten. Die Einwohner von Kaffa sollen diese Leichname sofort ins Meer geworfen haben. Aus heutiger Sicht ist es möglich, dass die Krankheit so zu den Einwohnern von Kaffa kam, zu einer Übertragung des Krankheitserregers wäre es aber auch durch Ratten gekommen.
Mit dem Vordringen der Pandemie nach Kaffa geriet die Krankheit in das weitverzweigte Handelsnetz der Genueser, das sich über die gesamte Mittelmeerküste erstreckte. Von Schiffen verbreitet, gelangte die Krankheit 1347 nach Konstantinopel, Kairo und Messina auf Sizilien. Von dort aus breitete sie sich in den folgenden vier Jahren zuerst über den See-, dann auch über den Landweg über ganz Europa aus. Sie nahm dabei im Wesentlichen zwei Ausbreitungswegen.
- Mit Schiffen, deren Besatzung infiziert war, gelangte der Krankheitserreger von Genua nach Marseille, von wo aus die Pandemie der Rhône in Richtung Norden folgte. Nach kurzer Zeit erreichte sie das Languedoc und Montpellier, im August 1348 auch Carcassonne und Bordeaux, Aix und Avignon, wo sie sich sieben Monate hielt. Avignon war zu dieser Zeit Papstresidenz und eine der wichtigsten Städte Europas. Schon im März 1348 hatte sie Toulouse erreicht und im Mai Paris.
- Die zweite Ausbreitungswelle ging von Venedig aus. Von dort gelangte die Seuche über den Brenner nach Österreich. Über Tirol kam der schwarze Tod nach Kärnten, anschließend in die Steiermark und erreichte dann erst Wien. Wien war die einzige Stadt, in der jeder Sterbende das letzte Sakrament erhielt, was dafür spricht, dass es in Wien besser als in anderen Städten gelang, die soziale Ordnung angesichts der ausgebrochenen Epidemie aufrechtzuerhalten.
Im Gebiet des heutigen Deutschland, in Norwegen (siehe Pestepidemien in Norwegen), Schweden und Irland trat die Seuche erstmals im Jahre 1349 auf.
Um die Ansteckungsgefahr zu vermindern, wurden nach 1347 einlaufende Schiffe, auf denen man die Krankheit vermutete, für 40 Tage isoliert (Quarantäne, aus französisch „une quarantaine de jours“ = Anzahl von 40 Tagen). Die Erfindung dieser Maßnahme wird Venedig zugeschrieben. Die verhängte Quarantäne mag zwar die Schiffsbesatzung vom Landgang abgehalten haben, sie verhinderte aber nicht, dass infizierte Ratten an den Schiffstauen entlang an Land gelangten und so zur Weiterverbreitung der Krankheit beitrugen.
Demografische und politische Auswirkungen des Schwarzen Todes
Giovanni Boccaccio ist vermutlich der wichtigste Zeitzeuge der Pandemie von 1347 bis 1353. Er hat das Erlebte literarisch in seiner Novellensammlung Decamerone verarbeitet. Über die verheerende Auswirkung des Ausbruchs in Florenz schrieb er:
„So konnte, wer – zumal am Morgen – durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug.
– Giovanni Boccaccio, Decamerone
Man schätzt, dass etwa 20 bis 25 Millionen Menschen, rund ein Drittel
der damaligen Bevölkerung Europas, durch den „Schwarzen Tod“ umkamen.
Für Deutschland wird die Zahl der Seuchentoten auf rund 10 Prozent der
Bevölkerung geschätzt.
Für die Anzahl der Opfer in Asien und Afrika fehlen seriöse Quellen.
Jegliche Zahlen sind mit Vorsicht zu behandeln, da zeitgenössische
Quellen die Anzahl der Toten eher zu hoch ansetzten, um den Schrecken
und die Unbarmherzigkeit dieser Pandemie zum Ausdruck zu bringen. So
schätzten beispielsweise die zeitgenössischen Chronisten unter dem
Eindruck der ständig vorbeirollenden Leichenwagen die Anzahl der in
Avignon Gestorbenen auf bis zu 120.000 Menschen, obwohl Avignon zu
dieser Zeit nicht mehr als 50.000 Einwohner hatte.
Greifbarer als an diesen Zahlen wird die Verheerung des Schwarzen Todes an Einzelschicksalen: Der Chronist von Siena, Agnolo di Tura, klagte, dass sich keiner mehr fände, der die Toten begrübe, und er eigenhändig seine fünf Kinder habe beerdigen müssen. John Clyn, letzter überlebender Mönch eines irischen Klosters in Kilkenny, schrieb kurz vor seinem eigenen Seuchentod die Hoffnung nieder, dass wenigstens ein Mensch diese Seuche überleben werde, der die von ihm begonnene Seuchenchronik fortsetzen könne. Den italienischen Chronisten Giovanni Villani ereilt der Seuchentod so plötzlich, dass seine Chronik mit einem unvollendeten Satz abbricht. In Venedig starben von 24 Ärzten 20, in Hamburg zählten von 21 Ratsherren 16 zu den Toten. In London erlagen alle Zunftmeister der Schneider und Hutmacher der Seuche. Und kurz nach dem Seuchentod des Erzbischofs von Canterbury starb auch sein designierter Nachfolger, ebenso wie kurz darauf der nächste Amtsanwärter. In Frankreich kam ein Drittel der königlichen Notare und ein Drittel der in Avignon versammelten päpstlichen Kardinäle ums Leben.
Der „Schwarze Tod“ wütete nicht gleichmäßig in Europa, sondern ließ einige wenige Gebiete fast unberührt. Große Teile Polens und Belgiens sowie Prag blieben von ihm verschont, während er in anderen so stark zuschlug, dass ganze Landstriche weitgehend entvölkert wurden. Während Mailand der Heimsuchung durch die Pandemie entging, starben in Florenz, der für Handel, Wissenschaft und Kunst bedeutendsten Stadt Europas zu dieser Zeit, vier Fünftel der Bürger. Wie M. Vasold in seinem Artikel über die Auswirkung der Seuche auf die deutsche Bevölkerung nachweist, blieb beispielsweise Süddeutschland weitgehend unberührt von der Krankheit. Hamburg und Bremen dagegen wurden ebenso massiv von der Pandemie getroffen wie beispielsweise Köln. Insgesamt war die Auswirkung auf die Bevölkerung in Deutschland erheblich geringer als in Italien und Frankreich.
Die Pandemie hatte zur Folge, dass es mehrere Jahrhunderte dauern sollte, bis Europa wieder die alte Bevölkerungsdichte erreichte. David Herlihy weist darauf hin, dass die Zahl der in Europa Lebenden erst in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhundert nicht mehr weiter abnahm, für fünfzig Jahre auf sehr niedrigem Niveau stagnierte und erst 1460 allmählich wieder anstieg.
Reaktion der Ärzte
Die Ärzte dieser Zeit standen der für sie rätselhaften Krankheit ratlos gegenüber. Ein fundiertes Wissen hatten sie eher in der Astrologie, die den Hauptteil ihres Medizinstudiums beanspruchte. Medizinisch mussten sie auf das Wissen des antiken Hippokrates und seines Nachfolgers Galen zurückgreifen, nach dessen Lehren diese Infektion eine Fehlmischung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle war – das Prinzip der Ansteckung war dagegen der galenschen Medizin unbekannt. Eine Ansteckung von Tier zu Mensch war gänzlich unvorstellbar. Stattdessen vermutete man, dass faul riechende Winde („Miasmen“) die Krankheit aus Asien nach Europa trügen oder dass sie durch Dämpfe aus dem Erdinneren verursacht würde (die Miasmentheorie).
Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die
Fenster nur nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit sowie
schwere Arbeit sollte den Ausbruch einer Seuchenerkrankung fördern und
sollte vermieden werden. Als gefährlich galten feuchtschwüles Klima und
Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art. Die Seuche würde
durch die Schönheit junger Mädchen angezogen, hieß es. Tatsächlich
jedoch starben mehr Männer als Frauen, mehr Junge als Alte.
Die medizinische Fakultät von Paris, von Philipp VI. im Oktober 1348 mit einer Untersuchung über die Ursache der Krankheit beauftragt, kam zu dem Schluss, dass die Seuche durch eine am 20. März 1345 eingetretene ungünstige Dreierkonstellation aus Saturn, Jupiter und Mars ausgelöst worden sei. Der umbrische Arzt Gentile da Foligno sieht darin den Ursprung des Pesthauchs, contagion. Der Erklärungsansatz wurde europaweit als der wissenschaftlichste angesehen und in viele europäische Landessprachen übersetzt. Das häufigste von den Ärzten angewandte Mittel gegen die Gefahren der Seuche war das Verbrennen aromatischer Substanzen. Papst Klemens VI. verbrachte die Zeit des Ausbruchs in Avignon zwischen zwei großen Feuern, die in seinen Gemächern brannten und die ihn möglicherweise vor einer Ansteckung bewahrten, da sie unter Umständen die Ratten als Träger der Flöhe fernhielten.
Langfristig bewirkte der Schwarze Tod, dass man sich allmählich von der galenschen Medizin löste. Papst Klemens selbst sprach sich für eine Sezierung der Seuchenopfer aus, um die Ursache der Krankheit zu entdecken. Die direkte Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper durch anatomische Studien wurde mit größerer Intensität als vor der Pandemie fortgesetzt und damit der erste Schritt in Richtung moderner Medizin und empirischer Wissenschaft getan. Bis zu einer systematischeren Auseinandersetzung mit dem Prinzip der Kontagion („Berührung“) durch den Arzt Girolamo Fracastoro (1483–1533), worauf die mit der Miasmentheorie lange konkurrierende Kontagionstheorie aufbaute, sollte es noch fast 200 Jahre dauern.
Pandemie und die mittelalterliche Gesellschaft
Der Zeitzeuge Boccaccio hat in seinem Werk Decamerone eindrucksvoll geschildert, wie nach dem Ausbruch der Pandemie viele Einwohner von Florenz ihren sozialen Verpflichtungen nicht mehr
nachkamen: „Wir wollen darüber schweigen, dass ein Bürger den anderen mied, dass fast kein Nachbar für den anderen sorgte und sich selbst Verwandte gar nicht oder nur selten und dann nur von weitem sahen. Die fürchterliche Heimsuchung hatte eine solche Verwirrung in den Herzen der Männer und Frauen gestiftet, dass ein Bruder den anderen, der Onkel den Neffen, die Schwester den Bruder und oft die Frau den Ehemann verließ; ja, was noch merkwürdiger und schier unglaublich scheint: Vater und Mutter scheuten sich, nach ihren Kindern zu sehen und sie zu pflegen – als ob sie nicht die ihren wären (…) Viele starben, die, wenn man sich um sie gekümmert hätte, wohl wieder genesen wären. Aber wegen des Fehlens an ordentlicher, für den Kranken nötiger Pflege und wegen der Macht der Pest war die Zahl derer, die Tag und Nacht starben, so groß, dass es Schaudern erregte, davon zu hören, geschweige denn es mitzuerleben.“
Viele der Menschen, welche den Schwarzen Tod als Gottesstrafe ansahen, fanden zu dieser Zeit den Trost in der Religion. Religiöse Bewegungen entstanden spontan im Gefolge oder in Erwartung der Seuche – viele davon forderten das Monopol der Kirche auf geistliche Lenkung heraus. Bittgottesdienste und Prozessionen kennzeichneten den Alltag. Flagellanten zogen in „Geißlerzügen“ durch die Städte. Der „Pestheilige“ St. Rochus wurde intensiv verehrt, Pilgerfahrten nahmen zu. An vielen Orten zeugen Kirchen und andere Monumente wie so genannte Pestsäulen von der Angst der Menschen und ihrem Wunsch nach Erlösung von der Seuche.
Verschiedene Menschen versuchten jede Minute ihres Lebens noch auszukosten und mit Tanz und Musik versuchte man, dem Schwarzen Tod zu entgehen. Der italienische Chronist Matteo Villani schrieb:
„Die Menschen, in der Erkenntnis, dass sie wenige und durch Erbschaften und Weitergabe irdischer Dinge reich geworden waren, und der Vergangenheit vergessend, als wäre sie nie gewesen, trieben es zügelloser und erbärmlicher als jemals zuvor. Sie ergaben sich dem Müßiggang, und ihre Zerrüttung führte sie in die Sünde der Völlerei, in Gelage, in Wirtshäuser, zu köstlichen Speisen und zum Glücksspiel. Bedenkenlos warfen sie sich der Lust in die Arme.“
Eine funktionierende Wirtschaft konnte unter dem Eindruck einer Pandemie nicht mehr aufrechterhalten werden. Arbeitskräfte starben, flohen und nahmen ihre Aufgaben nicht mehr wahr. Vielen schien es sinnlos, die Felder zu bestellen, wenn der Tod sie doch bald ereilen würde.
Judenpogrome zur Zeit des Schwarzen Todes
Die kirchliche und weltliche Macht verlor angesichts der Hilflosigkeit, mit der sie der Pandemie begegnete, rapide an Autorität. Der Dichter Boccaccio vermerkte in seinem Decamerone:
„In solchem Jammer und in solcher Betrübnis der Stadt war auch das ehrwürdige Ansehen der göttlichen und menschlichen Gesetze fast gesunken und zerstört; denn ihre Diener und Vollstrecker waren gleich den übrigen Einwohnern alle krank oder tot oder hatten so wenig Gehilfen behalten, dass sie keine Amtshandlungen mehr vornehmen konnten. Darum konnte sich jeder erlauben, was er immer wollte.“
Unter dem Autoritätsverlust der weltlichen und kirchlichen Macht litten diejenigen Menschen am meisten, die zu den kulturellen Randgruppen der mittelalterlichen Gesellschaften zählten. So kam es im Zuge der Pandemie zu schweren Judenpogromen, die von den geistlichen und weltlichen Herrschern nicht mehr unterbunden werden konnten und die zur Folge hatten, dass nach 1353 nur noch wenige Juden in Deutschland und den Niederlanden lebten.
Die Pogrome brachen aus, da das aufgebrachte Volk in den Juden die Schuldigen für die Katastrophe auszumachen glaubte. Das Gerücht, Juden träufelten Gift in Brunnen und Quellen, war Anfang 1348 aufgekommen: In Savoyen hatten jüdische Angeklagte sich unter der Folter solcher Vergehen für schuldig bekannt. Ihr Geständnis fand in ganz Europa rasch Verbreitung und war die Basis für eine Welle von Übergriffen in der Schweiz und in Deutschland – vor allem im Elsass und entlang des Rheins. Am 9. Januar 1349 wurde in Basel ein Teil der jüdischen Einwohnerschaft ermordet – die Basler Stadträte hatten zuvor zwar die schlimmsten Hetzer aus der Stadt verbannt, mussten unter dem Drängen der Stadtbevölkerung diesen Bann jedoch wieder aufheben und stattdessen die Juden vertreiben. Ein Teil der Vertriebenen wurde festgesetzt und in einem eigens für sie gebauten Haus auf einer Rheininsel verbrannt.
In Straßburg versuchte die Stadtregierung gleichfalls, die ansässigen Juden zu schützen, wurde jedoch mit den Stimmen der Zünfte ihres Amtes enthoben. Die neue Straßburger Stadtregierung duldete das anschließende Massaker, dem im Februar 1349 – also zu einem Zeitpunkt zu dem der Schwarze Tod die Stadt noch nicht erreicht hatte – 900 von 1.884 in Straßburg lebende Juden zum Opfer fielen. Im März 1349 verbrannten sich vierhundert Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Worms in ihren Häusern, um der Zwangstaufe zu entgehen; im Juli 1349 beging auch die jüdische Gemeinde von Frankfurt auf diese Weise Selbstmord. In Mainz griffen Juden zur Selbstverteidigung und töteten 200 sie angreifende Stadtbürger. Selbst die in Mainz lebende jüdische Gemeinde – damals die größte in Europa – beging letztlich Selbstmord durch Anzünden der eigenen Häuser. Die Pogrome setzten sich bis Ende des Jahres 1349 fort. Die letzten fanden in Antwerpen und Brüssel statt. Für Städte wie Freiburg im Breisgau, Köln, Augsburg, Nürnberg, Königsberg und Regensburg wird angenommen, dass noch vor dem lokalen Ausbruch der Seuche Flagellanten Teile der Bevölkerung aufhetzten, die jüdische Bevölkerung als Brunnenvergifter zu ermorden. Die neuere Forschung geht jedoch davon aus, dass das Abwälzen der Schuld auf die Geißler zumeist lediglich als „bequemer Rechtfertigungsversuch“ (Haverkamp) der Geschichtsschreibung des 14. Jahrhunderts für die Morde zu werten ist. Neben der Suche nach einem Sündenbock und einer seit dem 12. Jahrhundert angestiegenen Intoleranz der Kirche gegenüber Andersgläubigen war auch Habgier ein wesentliches Motiv für den Mord an jüdischen Mitbürgern. Die Bedeutung der Juden als Geldverleiher war zwar nicht mehr so groß wie noch im 12. und 13. Jahrhundert, doch offenbar sah ein großer Teil der Bevölkerung im Mord an den Juden auch die Möglichkeit, sich ihrer Gläubiger zu entledigen. So war der Augsburger Bürgermeister Heinrich Portner bei jüdischen Geldleihern hoch verschuldet und ließ den Mord an den Juden bereitwillig geschehen.
Es fehlte nicht an Personen, die auf das Unrecht dieser Morde aufmerksam machten. Bereits 1348 bezeichnete der in Avignon lebende Papst Klemens VI. die Anschuldigung, die Juden würden durch das Vergiften von Brunnen die Seuche verbreiten, als „unvorstellbar“, da sie in Gegenden der Erde wüte, wo keine Juden lebten, und dort, wo sie lebten, sie selbst Opfer der Seuche würden. Er forderte die Geistlichkeit auf, die Juden unter ihren Schutz zu stellen. Klemens VI. – der selbst hebräische Manuskripte sammelte – untersagte außerdem, Juden ohne Gerichtsverfahren zu töten oder sie auszuplündern. Die päpstlichen Bullen wirkten nur in Avignon und trugen ansonsten verhältnismäßig wenig zum Schutz der Juden bei. Dies gilt auch für Königin Johanna I. von Neapel, die im Mai 1348 die Steuerlast der in ihrem provenzalischen Herrschaftsgebiet lebenden Juden um die Hälfte reduzierte, um den Plünderungen Rechnung zu tragen. Im Juni desselben Jahres wurden ihre Beamten aus den provenzalischen Städten vertrieben, was die Schutzlosigkeit der Juden aufgrund des fortschreitenden Autoritätsverlusts der Herrschenden illustriert. Ebenso wie Papst Klemens waren Peter IV. von Aragon, Albrecht II. von Österreich und Kasimir III. von Polen entschiedene Beschützer ihrer jüdischen Einwohner. Wenn sie auch Gewalttaten nicht gänzlich unterbinden konnten, blieben solche Massaker wie in Brüssel und Basel aus. Kasimir III. bot darüber hinaus den Juden an, sich in seinem Herrschaftsgebiet anzusiedeln. Es setzte eine Emigration vor allem von deutschen Juden nach Polen ein, die bis ins 16. Jahrhundert anhielt. In der Ansiedlung jüdischer Bürger sah Kasimir III. die Möglichkeit, die Zahl der durch die Mongolenraubzüge dezimierten Bevölkerung zu erhöhen und damit sein Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
Langfristige Auswirkungen des Schwarzen Todes
Wie David Herlihy zeigt, konnten die Generationen nach 1348 nicht einfach die sozialen und kulturellen Muster des 13. Jahrhunderts beibehalten. Der massive Bevölkerungseinbruch bewirkte eine Umstrukturierung der Gesellschaft, die sich langfristig positiv bemerkbar gemacht habe. So bezeichnete
Herlihy die Pandemie als „die Stunde der neuen Männer“: Die Entvölkerung ermöglichte einem größeren Prozentsatz der Bevölkerung den Zugang zu Bauernhöfen und lohnenden Arbeitsplätzen. Unrentabel gewordene Grenzböden wurden aufgegeben, was in manchen Regionen dazu führte, dass Dörfer verlassen oder nicht mehr wiederbesiedelt wurden (sogenannte Wüstungen), die im Hochmittelalter im Zuge des Landesausbaus abgeholzten Wälder breiteten sich wieder aus. Die Zünfte ließen nun auch Mitglieder zu, denen man zuvor die Aufnahme verweigert hatte. Während der Markt für landwirtschaftliche Pachten zusammenbrach, stiegen die Löhne in den Städten deutlich an. Damit konnte sich eine größere Anzahl von Menschen einen höheren Lebensstandard leisten als jemals zuvor; allerdings kam es teilweise auch zur Nahrungsmittelknappheit, weil viele Felder nicht mehr bewirtschaftet wurden, so z.B. in England, wo die Löhne für Landarbeiter stark anstiegen. Obwohl die Adeligen im 1349 Parlament das Statute of Labourers durchsetzten, das die Löhne für Feldarbeit begrenzte, wurden die Landarbeiter zusätzlich mit Naturalien bezahlt. Die Lohnkonflikte führten schließlich zum großen Bauernaufstand von 1381, der (Peasants' Revolt), in dessen Folge England als erstes Land Europas die Leibeigenschaft abschaffte. Freie Bauern wurden in der Folge durch Pächter ersetzt, die weniger arbeitsintensive Schafzucht verdrängte den Ackerbau.
Der deutliche Anstieg der Arbeitskosten sorgte dafür, dass manuelle Arbeit zunehmend mechanisiert wurde. Damit wurde das Spätmittelalter zu einer Zeit eindrucksvoller technischer Errungenschaften. David Herlihy nennt als Beispiel den Buchdruck: Solange die Löhne von Schreibern niedrig waren, war das handschriftliche Kopieren von Büchern eine zufriedenstellende Reproduktionsmethode. Mit dem Anstieg der Löhne setzten umfangreiche technische Experimente ein, die letztlich zur Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johann Gutenberg führten.

Die Kirche – von zahlreichen Seuchenopfern als Erbe eingesetzt – ging
reicher, aber unpopulärer aus der Zeit des „Schwarzen Todes“ hervor.
Weder hatte sie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage gefunden,
warum Gott der Menschheit eine solche Prüfung auferlegt hatte, noch
hatte sie geistlichen Beistand geleistet, als das Bedürfnis der Menschen
danach am größten war. Die Bewegung der Flagellanten hatte die Autorität der Kirche auf die Probe gestellt. Auch nach dem Abklingen dieser Bewegung suchten viele Gott bei mystischen Sekten und in Reformbewegungen, was letztlich die katholische Glaubenseinheit auseinander brechen ließ.
Insbesondere der österreichische Kulturhistoriker Egon Friedell vertrat in seinem Werk „Kulturgeschichte der Neuzeit“ die Auffassung, dass die Seuche der Jahre 1348/49 die Krise des mittelalterlichen Welt- und Menschenbildes verursacht und bis dahin bestehende Glaubensgewissheiten erschüttert habe. Er sieht eine direkte, kausale Verbindung zwischen der Katastrophe des „Schwarzen Todes“ und der Renaissance.









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