aus NZZ, 28. 1. 2012
von Stefan Betschon ·
Die Internetfirma Twitter hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass nicht
mehr alle Kurznachrichten in allen Ländern stets gleichermassen
zugänglich sein werden. Um auf juristische Besonderheiten einzelner
Länder besser eingehen zu können, will die kalifornische Firma ab sofort
länderspezifische Filter einsetzen. So soll die Publikation
gesetzeswidriger Mitteilungen in einem einzelnen Land verhindert werden
können.
Der Kurznachrichtendienst Twitter
erlaubt es seinen Benutzern, im Internet maximal 140 Zeichen lange
Mitteilungen - sogenannte Tweets - zu publizieren. Es gibt Vermutungen,
dass solche Tweets etwa bei Volksaufständen im arabischen Raum auch
schon politisch bedeutsam gewesen sind.
«Unser internationales Wachstum
führt uns in Länder, in denen die Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit
anders definiert sind», schrieb die Firma in einer Mitteilung. «Die
einzige Möglichkeit, auf nationale Besonderheiten einzugehen, bestand
bisher darin, umstrittene Inhalte weltweit zu sperren. Von heute an sind
wir in der Lage, Inhalte auf Verlangen von den Bewohnern eines
einzelnen Landes fernzuhalten, während sie für den Rest der Welt
weiterhin verfügbar bleiben.»
Als Beispiele für nationale
Besonderheiten nennt Twitter die in Frankreich und Deutschland geltenden
Einschränkungen bei der Verbreitung von nationalsozialistischem
Gedankengut. Twitter versprach, über Publikationsverbote zu informieren.
Dabei arbeitet die Firma mit der amerikanischen Organisation Chilling
Effects zusammen, die sich für den Schutz der Meinungsäusserungsfreiheit
engagiert. Die Ankündigung hat laut Medienberichten unter
Twitter-Nutzern Proteste ausgelöst.
Nota.
Hält sich Twitter inzwischen für so unentbehrlich, dass es Boykottkampagenen nicht mehr zu fürchten braucht?
Das sollte man doch mal ausprobieren.
J.E.

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