aus tagesschau.de, 10.02.2012 16:53 Uhr die linke Opposition im Warschauer Parlament protestierte gegen ACTA.
Deutschland unterschreibt ACTA vorerst nicht
Deutschland schiebt die Unterzeichnung des umstrittenen
ACTA-Vertragswerks zur Durchsetzung von Urheberrechten vorerst auf. Die
zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
habe Bedenken angemeldet, gab ein Sprecher des Auswärtigen Amts bekannt.
Damit sei aber "keine Entscheidung in der Sache verbunden".
Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) wurde auf
Initiative der USA und Japans ausgehandelt. Der Vertrag regelt unter
anderem die "Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums im
digitalen Umfeld". Kritiker sehen darin die Gefahr einer Einschränkung
von Freiheitsrechten im Internet. ACTA wurde am 26. Januar von der EU
sowie von 22 der 27 Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Polen stoppte in der vergangenen Woche
die Ratifizierung, nachdem es eine Reihe von Protestveranstaltungen
gegeben hatte. Auch in Tschechien und Lettland wurde das Abkommen noch
nicht in Kraft gesetzt.
Zweifel in der FDP
Nach der
polnischen Entscheidung hieß es im Auswärtigen Amt, dass Deutschland den
Vertrag nur "aus formalen Gründen" noch nicht mit unterzeichnet habe.
Die Unterschrift werde "in Kürze" nachgeholt. Doch in der Zwischenzeit
verstärkte sich nicht nur der öffentliche Protest gegen ACTA, sondern
auch innerhalb der FDP und im FDP-geführten Bundesjustizministerium
wurden Zweifel laut.
Leutheusser-Schnarrenberger begrüßte
ausdrücklich und öffentlich, dass die ACTA-Debatte "so engagiert und
öffentlich geführt" werde. Es sei notwendig, dass alle Fakten auf dem
Tisch lägen. Das EU-Parlament müsse sich mit dem Abkommen befassen und
"entscheiden, ob es ACTA will oder nicht will".
Zustimmung bei der SPD
Die SPD begrüßte die
Entscheidung der Bundesregierung, "weil die vielen offenen Fragen zu den
rechtlichen Auswirkungen des Abkommens bis heute nicht ausreichend
beantwortet und weil zahlreiche Unterlagen aus den Verhandlungen bis
heute nicht veröffentlicht worden sind", erklärten der rechtspolitische
und der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestag-Fraktion, Burkhard
Lischka und Lars Klingbeil. Grünen-Chefin Claudia Roth forderte, dass
das Europaparlament die ACTA-Ratifizierung verhindern müsse.
"Stopp ACTA" plant Aktionstag
Der
öffentliche Protest soll morgen wieder auf die Straßen getragen werden.
Zu Veranstaltungen in 60 deutschen Städten erwarte er mehrere
zehntausend Teilnehmer, sagte der internationale Koordinator der
Kampagne "Stopp ACTA", Sebastian Radtke, der Nachrichtenagentur dpa.
Weltweit rechne man mit 150.000 bis 200.000 Demonstranten. .
Der ACTA-Vertrag soll allgemein den Schutz geistigen Eigentums
verbessern. Einerseits geht es dabei um klassische Fälle wie gefälschte
Marken-Turnschuhe. Viele Regelungen betreffen aber auch digitale Medien
und das Internet. So sieht ACTA unter anderem vor, dass
Internet-Provider Daten wie die IP-Adresse herausgeben müssen, um bei
Verstößen gegen das Urheberrecht eine Identifizierung von Personen zu
ermöglichen. Inhaber von Urheberrechten können dann ihre Ansprüche
juristisch durchsetzen.

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